Anonyme Alkoholiker

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Artikel aus dem April zum Probelesen

Erkennen, benennen und ändern

Mit einem halben Jahr Trockenheit kam ich zu AA. Ich habe mir ungepflegte, sabbernde Menschen dort vorgestellt. Als ich die Tür öffnete, blieb ich schon beim Eintreten verblüfft stehen. Da waren nette Leute, die mich anlachten und mich herzlich willkommen hiessen. Also das war für mich der erste Eindruck: Entweder sind das keine Alkoholiker oder es gibt eine Geheimwaffe. Dieses Gefühl blieb mir während der ersten Meetingsbesuchen.

Ich musste der Sache auf den Grund gehen. Ich wollte unbedingt auch, was die hatten. Bei den ersten Wortmeldungen der FreundInnen verfiel ich ins Gegenteil: So heftig war es bei mir nicht! Also kann ich selbst und mit Leichtigkeit trocken bleiben.

Trocken bin ich geblieben, aber mit der Zeit hat mir etwas gefehlt. Durch die regelmässigen Meetingsbesuche wurde mir klar, dass ich nur ständig trocken bleiben konnte,  wenn ich mein Leben verändern und die Irrwege verlassen würde. Das Hauptproblem, das nasse Leben, hatte einen Teil meiner Seele zerstört. Von den Freunden hörte ich, wie es gehen kann. Von jeder Aussage konnte und kann ich etwas für mich annehmen. Und als ich den Weg zur Spiritualität betreten durfte, ging es leichter.

Die zwölf Schritte – so erkenne ich es heute – sind ein Lebensprogramm. Sie nützen mir aber nur dann, wenn ich etwas tue. Das heisst in den Schritten arbeiten, zuhören, was die Freundinnen und Freunde, besonders die langjährig Trockenen sagen. Sie haben schon mehr Erfahrung damit, wie ich mit meiner Krankheit Alkoholismus leben kann.

In vielen ihrer Aussagen höre ich, dass meine Probleme genau so oder ähnlich sind. Zu einem späteren Zeitpunkt entdeckte ich die zwölf Verheissungen, man nennt sie auch
Versprechen. Super, das bekomme ich jetzt alles, wenn ich nur trocken bleibe. Doch es kam nichts. Sind das alles leere Versprechungen? Oder mache ich etwas falsch? So begann ich nachzulesen. Da stand er, der magische Satz: Wenn wir daran arbeiten. Ohne Arbeit geht in AA nichts. Aber es lohnt sich. Wieder kein Geheimnis. Doch ich habe
das Wunder erleben dürfen, von einem Tag auf den anderen trocken zu werden und bis heute zu bleiben.

Was die Freunde sagen, ist kein Geheimnis, sondern es sind die Erfahrungen, die jeder gemacht hat und die teilweise auch meine sind. Darum heisst es: Erkennen, benennen und ändern. Nicht leicht – aber es tut gut für Leib und Seele. Danke meinem lieben Gott, danke AA und den lieben Freundinnen und Freunden. Es ist schön, jeden Morgen trotz Schmerzen freudig und mit innerer Ruhe Gott zu danken und in diesem Sinne den Tag zu beginnen. Es ist schön, all das durch die Arbeit in den zwölf Schritten zu
bekommen.

In diesem Sinne grüsst euch herzlich

Hertha aus Baden bei Wien

 


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